Plüschow-Denkmal am Brazo Rico, Zustand 2024

Kapitel 6

Drei Generationen

Benhorst Schröppe 1962 + 1971 — Wolf-Dieter Schröppe 2020 → 2026 — Wieland, Weking und Reinhard heute. Die Verbindung der Manufaktur Moorschmied zu Plüschows Land ist nicht zufällig.

Dass die Manufaktur Moorschmied Holz aus Plüschows Schiff verarbeitet, ist eine logische Verlängerung einer Familiengeschichte, die rund fünfzig Jahre vor dem Abwracken der Feuerland-Planken in Argentinien begann. Wolf-Dieter Schröppe, der Senior der heutigen Manufaktur Moorschmied, wurde 1962 in Buenos Aires geboren. Sein Vater Benhorst Schröppe wohnte der Übergabe der ersten Bronzegedenkplakette an eine Jugendgruppe aus Deutschland bei, die ein erstes Denkmal für Plüschow an der Absturzstelle am Lago Argentino baute. 1971 war er an der Einweihung mit Vertretern der argentinischen Regierung und der Deutschen Botschaft beteiligt.

Erste Generation

Benhorst Schröppe — 1962 und 1971

Benhorst Schröppe war Zeuge der Übergabe der ersten Gedenktafel eines Singkreises in Buenos Aires unter Lothar Herold an die Jugendgruppe des Nerother Wandervogels, die 1962 das erste Denkmal nahe der Absturzstelle Plüschows am Lago Argentino baute. Neun Jahre später, 1971, war er an der Einweihung dieses Denkmals mit Vertretern der argentinischen Regierung und der Deutschen Botschaft beteiligt. Neben ihnen fanden sich Zeitzeugen aus der Region um den Lago Argentino ein.

In den 1970er Jahren hielt er in Argentinien einen Diavortrag über Patagonien — Plüschow war Bezugspunkt, das Schiff Feuerland Fluchtpunkt. Den Titel borgte er sich aus Silberkondor über Feuerland, dem 1929 erschienenen Buch Plüschows: „Staub und Dreck — und kristallene Reinheit." Der Vortrag existiert vollständig: zwei Tonband-Spulen mit Audio, mehrere hundert Diapositive, Stichwort-Zettel. Insgesamt rund vier Stunden Material. Die Manufaktur hat das Archiv vollständig gesichert und wird es im Rahmen des Filmprojekts auch für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich machen.

Benhorst Schröppe mit Ehefrau Edith auf Patagonienfahrt 1969
Patagonienfahrt 1969 — Benhorst Schröppe mit Ehefrau Edith. Aus dem Bildarchiv der Familie Schröppe.

„Staub und Dreck — und kristallene Reinheit."

Patagonien — mal so und mal anders.

— Plüschow 1929. Vortragstitel von Benhorst Schröppe in Argentinien, 1970er Jahre.

Lager-Bild aus Patagonienfahrt 1969
Patagonien-Camp 1969. Aus dem Bildarchiv der Familie Schröppe.

Zweite Generation

Wolf-Dieter Schröppe

Wolf-Dieter Schröppe, der Senior der heutigen Manufaktur Moorschmied, wurde 1962 in Buenos Aires geboren. Aus dieser Zeit stammt ein umfangreiches Familien-Bildarchiv: hochauflösende Fotografien aus Patagonien der 1960er und 1970er Jahre.

Die Familie kehrte später nach Deutschland zurück. Aber Argentinien blieb ein zweites Bezugssystem — in Erzählungen, in Brief-Wechseln, in den Tonband-Spulen mit Musik und Stimmen, die sein Vater Benhorst von seinen Reisen nach Patagonien mitbrachte. Wolf-Dieter selbst blieb ein begeisterter Patagonien-Reisender. Aus seinen Reisen der Jahre 2020 bis 2026 — Begegnungen in Ushuaia, am Brazo Rico, in Santiago de Chile — entsteht derzeit ein eigener, neuer Vortrag, der den historischen Dia-Vortrag seines Vaters fortschreibt.

Dritte Generation

Wieland, Weking und Reinhard

Die dritte Generation bilden Wieland und Weking Schröppe sowie Reinhard Herrmann. Die drei jüngeren Vertreter der Moorschmied-Manufaktur sind ebenso begeisterte Reisende und Abenteurer, ganz im Sinne ihrer Väter und im weitesten Sinne wie Gunther Plüschow selbst. Sie pflegen und hüten das Material der Feuerland und bearbeiten sorgfältig das Archiv, das Filmmaterial und schließlich auch das Holz für hervorragende Messer-Griffe.

Reste des Silberkondors im Museum Calafate
Museum Calafate. Reste des Silberkondors.
Lago Sarmiento de Gamboa, Tsingtau-Bucht, Februar 2026
Februar 2026. Am Lago Sarmiento de Gamboa in Chile, auf der Suche nach Plüschows Fluglager 1 an der Tsingtau-Bucht.

Spurensuche des Silberkondors heute — vom Museum El Calafate bis zur Tsingtau-Bucht am Lago Sarmiento.

Wolf-Dieter Schröppe mit Rafael Fank vor dem Plüschow-Denkmal in Ushuaia, Februar 2026
Ushuaia, Februar 2026. Mit Rafael Fank, dem deutschen Honorarkonsul a.D., vor dem Plüschow-Denkmal — errichtet zum 90. Jahrestag der Ankunft am 3. Dezember 1928.
Treffen Februar 2026 mit Intendente Pelozo und Honorarkonsul Ferstl in El Calafate
El Calafate, Februar 2026. Treffen mit Herrn Pelozo, Intendente des Nationalparks Los Glaciares, und Herrn Ferstl, deutschem Honorarkonsul in El Calafate, zur Vorbereitung der 100-Jahr-Feier 2031.

Die Verbindung wird gepflegt — diplomatisch wie inhaltlich.

Der Splitter

Es gibt eine Geschichte, die das Schiff direkt mit der Familie Schröppe verbindet. Der argentinische Marineveteran Roberto Herrscher war zur Zeit des Malvinenkrieges 1982 kein Berufssoldat, sondern ein einfacher Rekrut. Aufgrund seiner Englischkenntnisse wurde er auf die Inseln mitgenommen, um als Übersetzer zu dienen. Auf der Penelope, der ehemaligen Feuerland, war er während der Kriegswochen als Soldat eingesetzt und erlebte dort den Transport verschiedenster Güter unter Kriegsbedingungen.

Über diese Zeit schrieb Herrscher später ein Buch, Los viajes del Penélope. Darin erinnert er sich auch an einen britischen Harrier-Angriff auf das Schiff, bei dem der Mast beschädigt wurde. Ein Splitter dieses Mastes verfehlte ihn nur knapp. Herrscher beschreibt es als großes Glück, dass er damals nicht ums Leben kam.

Unter den Resten des Schiffes, die aus der Museumswerft Flensburg geborgen werden konnten, befand sich auch der Mast. Hinter einem Blechschutz fanden sich noch Splitterreste — jene Spuren der Beschädigung, die dem jungen Rekruten Roberto Herrscher damals beinahe das Leben gekostet hätten.

Wolf-Dieter Schröppe, ebenfalls Jahrgang 1962 und zur Zeit des Krieges selbst einberufen, jedoch nicht Kriegsteilnehmer auf den Malvinen, besuchte Roberto Herrscher am 2. März 2026 in Santiago de Chile. Bei dieser Begegnung wurde Herrscher ein Stück Holz aus der Penelope, der ehemaligen Feuerland von Gunther Plüschow, als Andenken an jene prägende Zeit übergeben.

Wolf-Dieter Schröppe und Roberto Herrscher bei der Übergabe eines Plankenteils der Feuerland in Santiago de Chile, 2. März 2026
Santiago de Chile, 2. März 2026: Wolf-Dieter Schröppe übergibt Roberto Herrscher ein Stück Holz aus der Penelope, der ehemaligen Feuerland.

Was die Verbindung trägt

Drei Generationen, drei Vorträge, drei Reisen ans Ende der Welt. Ein Splitter aus dem Mast.

Was Gunther Plüschow in den Jahren 1927 bis 1931 dokumentierte, was der Großvater 1970 in einem Dia-Vortrag zeigte, was Wolf-Dieter Schröppe auf seinen Patagonien-Reisen erlebte und was er in Ushuaia und am Brazo Rico erfuhr, kommt heute in den Werkräumen der Manufaktur zusammen.

Die Verbindung zur Manufaktur ist keine Marketing-Pose. Sie ist ein dokumentierter biografischer Zusammenhang, der über 65 Jahre auf zwei Kontinenten gewachsen ist. Wer das Holz der Feuerland trägt, trägt ein Stück dieser Verbindung mit.