Wieland Schröppe vor dem zerlegten Bug der Feuerland auf der Museumswerft Flensburg

Kapitel 5

Das Holz kommt heim

Museumswerft Flensburg, August 2025. Was am Ende einer 98-jährigen Schiffshistorie übrig blieb, lag auf einem Werft-Hof in Norddeutschland.

Im August 2025 stand auf dem Werft-Hof in Flensburg ein Trümmerhaufen. Die zerlegte Beplankung der Feuerland. Eichenholz aus 1927, fast acht Jahrzehnte Salzwasser, knapp zwei Jahrzehnte Restaurierung, alles in Stücken zwischen Brettlänge und Schnittholz. Die Käufer der Feuerland — Kreuzer Capital und DREEM GmbH — hatten die Mehrzahl der Stücke bereits abtransportiert. Was übrig war, sollte in den Hackschnitzler.

Greifer hebt Schiffsholz auf dem Werft-Hof der Museumswerft Flensburg
Auf dem Werft-Hof der Museumswerft Flensburg, August 2025. Der Greifer hebt Schiffsholz aus dem zerlegten Rumpf. Das Holz ist nach 98 Jahren in einem Zustand, der mit frischer Schiffsbau-Eiche nicht mehr vergleichbar ist.

Das Telefongespräch

Bevor die Manufaktur am Werft-Hof stand, stand ein Anruf. Ein Mitarbeiter der Museumswerft hatte sich gemeldet — über einen gemeinsamen Bekannten in der norddeutschen Schiffsbau-Szene. Er kenne die Manufaktur Moorschmied, er wisse, was sie aus historischem Holz mache. Er habe Stücke der Feuerland zurückgehalten — edle Stücke, die als Restbestände in der Museumswerft verblieben waren. Sie könne sie haben, wenn sie kommen würde.

Die Manufaktur kam. Mit einem Lastwagen.

Wieland und Weking Schröppe auf dem Werft-Hof neben dem Schiffsholz
Wieland und Weking Schröppe auf dem Werft-Hof, kurz vor der Verladung. Im Hintergrund die Werfthalle mit den Plakaten zur Feuerland-Geschichte.

Auswahl

Schiffsholz dieser Klasse ist nicht uniform. Manche Stücke sind durch Salzwasser-Eintritt morsch, andere durch Trocknungs-Mängel verbogen, dritte durch alte Reparatur-Spuren strukturell instabil. Was die Manufaktur sucht: Stücke aus der ursprünglichen 1927er-Beplankung, ohne sichtbare Reparatur-Schichten, mit gleichmäßiger Maserung, fest gewachsen.

Die Museumswerft gab den Hinweis auf das verfügbare Holz; die Auswahl erfolgte durch die Manufaktur Moorschmied. Stücke ab 50 Zentimetern Länge mit ungebrochener Maserung blieben für Schaft-Material erhalten. Restholz unterhalb dieser Klasse eignet sich für Messer-Griffe oder Folder.

Ankunft des Schiffsholzes in den Werkstätten der Manufaktur, mit Reinhard Herrmann beim Entladen
Ankunft in den Werkstätten der Manufaktur. Reinhard Herrmann beim Entladen der Eichenbeplankung der Feuerland.
Werft-Arbeiter beim Verladen des zerlegten Schiffsrumpfs
Werft-Hof. Werft-Mitarbeiter neben dem zerlegten Schiffsrumpf.
Anlieferung des Schiffsholzes in den Werkstätten der Manufaktur
Anlieferung. Das Schiffsholz erreicht die Werkstätten der Manufaktur.

Vom Werft-Hof in Flensburg in die Werkstätten der Manufaktur.

Eine Lastwagenladung

Die Mengenangabe ist nüchtern: eine Lastwagenladung Eichenbeplankung. Was das in Volumen bedeutet, hängt von der Stück-Geometrie ab — eine konkrete Stückzahl-Inventur wurde nach Anlieferung in den Werkstätten gemacht. Sie ist Teil des Provenienz-Dossiers.

Was es bedeutet: Die Manufaktur hat einen Materialbestand, mit dem sie über mehrere Jahre arbeiten kann. Was daraus entsteht, dokumentiert diese Seite, sobald die Arbeit beginnt.

„Es war nicht so, dass wir nach dem Holz gefragt hätten. Das Holz hat nach uns gefragt — über einen Mitarbeiter der Werft, der kannte, wer wir sind."

Lager

Das Holz liegt seit September 2025 in den Werkstätten der Manufaktur, in einem geschützten Lagerbereich, in dem es kontrolliert akklimatisieren kann. Jedes Stück ist nummeriert, fotografiert, vermessen. Die Foto-Dokumentation ist Teil des Provenienz-Dossiers, das auf Anfrage einsehbar ist.

Die Verarbeitung beginnt selektiv. Erste Einzelmesser sind bereits gefertigt. Die Hauptverarbeitung wird über mehrere Jahre laufen.

Provenienz

Fotografische Provenienzbestätigung und dokumentierter Provenienzbezug auf das Schiff Feuerland (Q1409581 in Wikidata).

Die Manufaktur dokumentiert auch die Vor-Geschichte: den ursprünglichen Kontakt, die Verladungs-Logistik, die Anlieferung in den Werkstätten, die Stück-Inventur. Das Dossier ist nicht öffentlich. Wer es einsehen will, fragt über das Kontaktformular an.

Eine Übergabe an einem Werft-Hof in Flensburg, ein Mitarbeiter, der den Wert des Holzes erkannte, ein Lastwagen, die Werkstätten der Manufaktur — was am Ende einer 98-jährigen Schiffsgeschichte stand, war ein nüchterner logistischer Vorgang. Die Manufaktur erinnert sich daran ohne Pathos.